Canine Leishmaniose

Die Ueberarbeitung meiner Berichterstattung aus dem Jahr 2001  zum Thema „Leishmaniose“, eine fuer unsere Hunde todbringende Krankheit, wird nun notwendig, da mittlerweile die „Leishmaniose“ durch die „Sandmuecke“ nicht nur in den Anrainerstaaten des Mittelmeeres,  sondern auch in Mitteleuropa, also auch in Deutschland auf Menschen (humane Leishmaniose) und unsere Hunde (canine Leishmaniose), uebertragen  werden kann.

Die in Mitteleuropa diagnostizierten Faelle beim Hund konnten  in der Vergangenheit allerdings fast ausschliesslich mit Aufenthalten in einem Endemiegebiet (v.a. Portugal, Spanien, Südfrankreich, Italien, Griechenland), in Verbindung gebracht werden.

Im Jahr 2001, als ich  ueber die Leishmaniose berichtet habe, war dies fuer mitteleuropaeisch Tiermediziner und Hundebesitzer ein Importkrankheit, die der Einfuhr von angeblich notleidenden Hunden aus mediterranen Laendern und dem Tourismus mit mitreiseden Hunde und zuzuschreiben war. Das ist auch heute noch so; daran hat sich natuerlich nichts geaendert!

In den letzten 5 Jahren hat sich jedoch auch in Europe  die Klimazone nach Norden verschoben! Dadurch hat sich auch die raeumliche Ausbreitung der Sandmuecken erweitert.

Die theoretische Verbreitungsgrenze stellt die 10° C-Jahresisotherme dar. Demnach sind Sandmuecken in Deutschland nun bis in die Region um Frankfurt am Main und entlang des Rheingrabens bis Köln lebensfaehig.

In der Tat wurden Sandmuecken in Deutschland entlang des Rheingrabens in Baden- Wuerttemberg bis in die Region um Offenburg und im  Norden bis in das Rhein-/Maingebiet sowie bis zur westlichen Grenze des Schwarzwaldes und des Odenwaldes im Osten nachgewiesen!

Eine weitere Ausbreitung von Sand-, bzw. Schmetterlingsmuecken und der Erkrankung gilt als wahrscheinlich!

Es ist davon auszugehen, dass in naher Zukunft Sandmuecken und somit fuer Mensch und Hund die Ansteckungsgefahr an Leishmaniose sich in Mitteleuropa, also auch in Deutschland vom Bodensee bis nach Flensburg ausbreiten wird!

Sandmuecken, bzw. Schmetterlingsmuecken, genannt oder auch Phlebotomen, sind weltweit in Kuestenzonen und Feuchtbiotope und somit auch in allen Anrainerstaaten des Mittelmeeres, sowie in Portugal und seit einigen Jahren auch in der Schweiz, in Frankreich und nun in Sued-Deutschland verbreitet. Fuer den Bereich der Balearen und den weiteren europaeischen Mittelmeerraum sind insgesamt 23 verschiedene Sandmueckenarten nachgewiesen, von denen jede einzelne Art ein unterschiedliches Verhalten zeigt.

Sand-, bzw. Schmetterlingsmuecken der Gattungen Phlebotomus oder Lutzomyia sind etwa zwei Millimeter kleine sandfarbene Stechmuecken mit grossen schwarzen Augen. Sie sind ausschliesslich direkt, aber auch indirekt (gesichert ist die Uebertragung der Leishmanien von Huendin auf den ungeborenen Welpen) die Uebertraeger der Parasiten (Infektionserreger = die Protozoe Leishmania infantum), die die Krankheit Leishmaniose ausloesen. Diese kleinen Muecken leben bevorzugt in Feuchtbereichen.
Die „Plebothomus – Muecke“  tritt vermehrt im Fruehjahr und im Herbst auf und ist in dieser Zeit in der Morgen- und Abenddaemmerung am aktivsten. Nur die weiblichen Muecken saugen Blut, ohne das eine Vermehrung der Plebothomus – Muecken nicht moeglich waere. Die weiblichen Sandmuecken sind streng nachtaktiv.
Sie bevorzugt das Blut der Hunde. Nachdem sie bei der Nahrungsaufnahme von einem an „Leishmaniosis“ erkrankten Hund  auch den Parasit mit aufgenommen hat, verbleibt er aktiv im Koerper der Muecke und zwar am Stechruessel. Durch den Stich  zur weiteren Nahrungsaufnahmen (Blut) von gesunden Hunden, wird der Parasit durch die Muecke in das Gewebe eines oder mehrere Hunde injiziert. Damit ist diese heimtueckische Krankheit auf gesunde Hunde uebertragen worden.

In den meisten Faellen wird die Krankheit erst viel zu spaet entdeckt. In der Regel verlaeuft die Krankheit  trotz Therapie chronisch-rezidivierend, bei jungen und/oder immungeschwaechten Hunden kann die „canine Leishmaniose“ zum baldigen Ableben fuehren Der schleichende Tod des Hundes ist vorprogrammiert.
Oft treten die Symptome erst Monate, bis 2 Jahre nach der Infektion auf. Hier sind dann zur entsprechenden Diagnose immundiagnostische Methoden von großer Bedeutung.
Die beweglichen Leishmanien gelangen nach dem Stich der weiblichen Plebothomus – Mücke  in den Blutkreislauf des Hundes. Sie lagern sich in Milz und Leber ab. Die aktive Form der caninen Leishmaniose ist mit einer Abnahme der T- und B-Lymphozyten (CD4+ und CD21+) im peripheren Blut verbunden.
Durch Leishmanien wird die Immunabwehr im Hund ganz erheblich reduziert und u. U. ausser Kraft gesetzt. Im weiteren Krankheitsverlauf manifestieren sich die Leishmanien im Knochenmark. Die Leishmanien zersetzen letztlich Organe und zerstoeren das Immunsystem.
Symptome:
•    Ausfransen der Ohren, also leichtes und mehrfaches Einreissen der Ohrraender,
•    schuppender Hautausschlag mit Schorfbildung an Ohrenspitzen und Pfoten sowie der
Nase,
•    kleine Wunden an den Ohren,
•    Haarausfall an den Pfoten und an der Elle sowie um die Augen und Ohren,
•    Bindehautentzuendungen, Hornhautentzuendungen,
•    Entzuendung der Augenlider in Zusammenhang mit Hautlaesionen im Gesicht,
•    einseitige Verkuemmerung der Gesichtsmuskulatur,
•    Nasenbluten,
•    Depigmentierung an Lippen, Nasenspiegel und Augenlider.
•    Fieberschuebe,
•    Blutarmut,
•    generalisierte Lymphknotenschwellung (Kniekehlen),
•    Apathie,
•    Gewichtsverlust,
•    Mattigkeit
•    Appetitmangel
•    Magenproblem,
•    schwere Durchfaelle und Erbrechen,
•    Gelbsucht,
•    Nierenentzuendungen, verursacht durch die Ansammlung von
Antigen-Antikörper-Komplexen,
•    Hinterhandschwaeche,
•    Knochenvorspruenge, im Bereich der Ellenbogen, Hueften, Jochbeinbogen,
•    uebermaessig lange und bruechige Krallen,
•    Gelenkschmerzen mit Lahmheiten, verursacht durch die Ansammlung von
Antigen-Antikörper-Komplexen in Gelenken,
•    Hunde im fortgeschrittenen Stadium stinken regelrecht. Dies ist immer ein Alarmzeichen
für eine schwere Beeintraechtigung von Nieren, Leber oder anderen inneren Organen.

Bei den ersten Anzeichen einer „Leishmaniosis“ sollte das Tier unverzueglich dem Tierarzt vorgestellt werden, der mit umfangreichen Untersuchungen die Abklaerung der Erkrankung diagnostizieren und die entsprechende Therapie einleiten wird.

In Deutschland gibt es leider bis heute noch keinen Impfschutz gegen „canine Leishmaniose“; im europaeischen Ausland ja!


Diagnose:
Zur Sicherung der Diagnose einer caninen Leishmaniose sind labordiagnostische Untersuchungen unerlaesslich. In der Literatur werden folgende Untersuchungen  empfohlen:

•    Bluttest, in dem die Krankheit indirekt auf Antikoerper (LAT =
Leishmaniose-Antikoerper-Titer) bestimmt wird. Antikoerper sind bereits 14-28 Tage
nach einer Infektion nachweisbar. Das ist die Abklaerung des Haematokrit- und
Haemoglobin-Anteil im Blut.
•    Test durch Knochenmark- oder Lymphknotenpunktation und mikroskopische
Untersuchung der angelegten Kultur. Dies ist derzeit die einzige Methode, bei der ein
positives Ergebnis zu 100 % sicher ist.
•    Nachweis des Leishmaniose-Erregers durch Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Mit
diesem Nachweis ist festzustellbar, ob  Leishmanien im Knochenmark oder in den
Lymphknoten vorhanden sind.
•    Eiweiss-Elektrophorese, hier  wird der Quotient von Albumin/Globulin festgestellt.
•    Die Bestimmung der CD4+ Zellen und des CD4+ / CD8+ Verhaeltnisses.
•    Leishmaniose-Test an der Universitaet Zuerich. Die Universität Zuerich bietet den
Leishmaniosetest mittels ELISA-Verfahren auch für auslaendische Einsender an.

Therapie:
Eine Leishmaniose-Therapie sollte gewissenhaft, und nach dem neusten Stand der Forschung durchgefuehrt werden. Eine Behandlung ist um so erfolgversprechender, je frueher sie einsetzt.

Eine Leishmaniose-Therapie ist intensiv, teuer und langwierig!

1.   Chemotherapie:
•    Einsatz von Antimonpraeparaten, wie Glucantime oder Pentostam). Mit dieser Therapie
wird die Lebensqualitaet und Lebenserwartung Ihres Hundes verbessert. Glucantime
oder Pentostam werden in besonders schweren Fällen gespritzt. Diese Mittel
schwaechen in ihrer Nebenwirkung das Immunsystem des Hundes. Eine begleitende
Leberschutzbehandlung ist wichtig. Als weitere Nebenwirkungen koennen Blutung aus
Nase und/oder Scheide auftreten. Hier ist eine begleitende Medikation mit blutstillenden
Mitteln erforderlich. Eine voellige Heilung wird mit dieser Therapie allerdings nicht
erreicht.

•    Eine weitere Chemotherapie wird in letzter Zeit auch mit dem Mittel Miltefosin
durchgefuehrt. Miltefosin (Impavido) hat sich in Studien beim Hund als wirksam gegen
„Leishmania infantum“ gezeigt. Impavido ist in Deutschland seit 2004 zur Behandlung
der Leishmaniose zugelassen. Oral verbreichtes Miltefosin kann zu leichten bis
mittelschweren gastrointestinalen Beschwerden fuehren. Es kommt zu relativ haeufigen
Durchfaellen und Erbrechen.
2.   AndereTherapien:
•    Verabreichung von Allorpulin in Tablettenform. Nebenwirkungen sind selten. Es kann zu
Uebelkeit und Durchfall kommen. Manchmal koennen beim Hund auch Symptome von
Gichtanfaellen auftreten. Bei der Therapie mit Allopurinol kann es auch, jedoch in
seltenen Faellen, zu einem Harnsteinleiden kommen. Deshalb sollte das Tier für die
Dauer der Behandlung eine Diaet mit niedrigen Proteinwerten bekommen. In niedrigerer
Dosierung ist Allopurinol auch als Langzeitmedikament einsetzenbar.

•    Gute Erfolge erzielt eine Behandlung mit einer Kombination aus Allopurinol und
Concurat-L. Der Wirkstoff von Concurat-L heist Levamisolum und ist ein
Breitspektrum-Anthelmintikum. Das Verabreichen des Medikamente kann der
Hundehalter nach Anweisung der Tieraerztin, bzw. des Tier selbst durchfuehren.

Es wird bezweifelt, dass Leishmaniose mit ein paar Tabletten taeglich eingestellt werden kann!

Einen an canine Leishmaniose erkrankten Hund sollte eine Tieraerztin, bzw. ein Tierarzt erst dann in Abstimmung mit dem Hundehalter euthanasieren, wenn der Hund nicht mehr zu therapieren ist. Damit erloest man ihn von unheilbarem Leiden! Alles andere waere ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Vorbeugung:
•    Seit einiger Zeit gibt es ein Praeparat, das den Hund vor dem Stechen von mit
Leishmanien infizierten Sand-/Schmetterlingsmuecken schuetzen soll. Es heisst Scalibor
Protectorband (Wirkstoff Deltamethrin). Dieses Halsband schuetzt den Hund nicht nur
vor Sandmueckenstichen sondern auch vor Zecken- und Flohbefall.

•    Neue Praeparate, wie z. B. der Spot on-Schutz „advnatix“ von Bayer soll die Hunde vor
Zecken, Floehe und nicht zuletzt aber auchg vor dem Stich der Sand-, bzw.
Schmetterlingsmuecken schützen.

Empfehlungen:

FRUEHERKENNUNG ERHOEHT DIE HEILUNGSCHANCEN UND VERLAENGERT DAS LEBEN  IHRES HUNDES !

•    Wenn Ihr Hund, der an canine Leishmaniose erkrankt war, die Krankheit ueberstanden
hat, dann kann er theoretisch immer noch Uebertraeger der Krankheit sein, weil er
eventuell noch Erreger im Lymphsystem und damit auch im Blut hat. Beissereien unter
Hunden sind zu vermeiden – Ansteckungsgefahr!
•    Setzen Sie Ihren Hund keiner Stress-Situation aus, das kann die Symptome der
Krankheit verschlimmern.
•    An canine Leishmaniose erkrankt Hunde sollten weder geimpft, noch narkotisiert
werden. Beide Massnahmen koennen zu einem Leishmaniose-Schub führen. Somit
sollten auch Operationen vermieden werden.
•    Es ist auf eine ausgewogene, vitaminreiche, jedoch proteinarme Ernaehrung zu achten.
•    Man sollte im Juni und November eines jeden Jahres  durch  einem Veterinaermediziner
ein Blutbild, ein Leishmaniose-Test von seinem Hund machen lassen.
•    Es bietet sich auch der Leishmaniose-Test durch die Universitaet Zuerich an.
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Hinweise:
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Quellen:
•    PARASITUS EX
•    VetMed Labor: Diagnostik und Verlaufskontrolle der caninen Leishmaniose (pdf)

•    Gothe, R. (1990) Leishmaniosen des Hundes in Deutschland. Erregerfauna und -biologie,
Epidemiologie, Klinik, Pathogenese, Diagnose, Therapie und Prophylaxe (in German).
Kleintierpraxis 36, 69-84
•    Gradoni, L., Maroli, M., Gramiccia, M. and Mancianti, F. (1987) Leishmania infantum
infection rates in Phlebotomus perniciosus fed on naturally infected dogs under
antimonial treatment. Medical and Veterinary Entomology 1, 339-342
•    Gramiccia, M. Gradoni, L. and Orsini, S. (1992) Decreased sensitivity to meglumine
antimonate (Glucantime) of Leishmania infantum isolated from dogs after several
courses of drug treatment. Annals of Tropical Medicine and Parasitology 86, 613-620
•    Gottstein B, Deplazes P, Arnold P, Mehliz D, Reiter I, Eckert J: Immundiagnose der
Leishmaniose des Hundes mit ELISA und Mini-Western-Blot.Schweiz. Arch. Tierheilk.
130:245-262 (1988).
•    Mancianti, F. and Sozzi, S. (1994) Isolation of Leishmania from a newborn puppy.
Parassitologia 36 (Suppl. 1), 86 Slappendel, R.J. (1988) Canine leishmaniasis: A review
based on 95 cases in the Netherlands. Verterinary Quaterly 10, 1-16
•    Dr. H. Sager & Prof. B. Gottstein (MB.DI.Leish.1995) INSTITUT FUER PARASITOLOGIE DER
VETERINAERMEDIZINISCHEN UND DER MEDIZINISCHEN FAKULTAET (IPB) UNIVERSITAET
BERN, (DIREKTOR: PROF. B. GOTTSTEIN) Diagnostik-Informationen: LEISHMANIOSE des
Hundes.


Glashütten, Januar 2008
Hanspeter Kobold

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